In die Saison 2019 mit der Radgruppe Nord

TKN Radgruppe Nord: Ein Wagnis?

Die ersten Tropfen Schweiß rinnen mir von der Stirn herab. Meine Muskeln scheinen gerade erst aus dem Winterschlaf erwacht zu sein. Der Blick ist fest nach vorne gerichtet. Etwa 1m vor mir pumpen die Waden des heutigen Leaders, mit einer langsamen Regelmäßigkeit. Es ist Ende März und die ersten Profi-Rundfahrten werden übertragen und begleiten mich beim heutigen Frühstück und spornen zu Höchstleistungen an.

Gewarnt haben sie mich: „Ich solle mich warm anziehen!“ und „Ein Einstieg in die Gruppe sei nur am Anfang des Jahres ratsam!“ oder „Eine Gruppen von Rennradverrückten!“ Alles Sprüche, die der Realität sicherlich kaum Stand halten können. Nun, wenn nicht jetzt, wann dann dachte ich mir, zumal Waldi heute nicht im Peloton (Fahrerfeld) ist. Ich bin viel zu früh am Treffpunk, erst langsam trudeln die ersten bekannten und noch unbekannten tkn´ler ein. Nach einer kurzen Besprechung, entscheiden wir uns noch eine Trinkflasche zu besorgen. Eine Pause ist mir also schon sicher!

Auf geht´s Richtung Kalchreuth und, das ist die Wahrheit, diesen Berg am Anfang der Touren mag ich überhaupt nicht. Zu allem Überfluss ist mein Gel in der Trikottasche undicht geworden, so dass ich mir die wenigen verbliebenen Tropfen bereits bei Kilometer 5 einverleibe. Nun schieße ich den Hügel mit ungeahnter Kraft hinauf und die anschließend lang gezogene Abfahrt hinunter. Wie ich sie liebe, die Geschwindigkeit. Diesen Gedanken werde ich schon bald bereuen! Mit dem Blick aufs Schaltwerk konnte ich damals beim Radrennen meine Mitbewerber um Sieg und Niederlage einschätzen, so versuche ich es hier auch. Die Übersetzung des Tempomachers zeigt ganz klar, es geht Berg ab, auch der Tacho bestätigt meinen Eindruck - Jetzt wage ich den Blick aus der windschnittigen Haltung und bin erstaunt, wir fahren die Straße hinauf! Nur gut, dass gleich die Getränkepause kommt. Und schon ist es soweit, wir, die glorreichen Acht, erreichen die bereitgestellte Trinkflasche. Nach kurzem Verschnaufen geht es weiter. Das Nürnberger Hinterland bietet uns eine Perlenkette an Hügeln, Anstiegen und Bergen. Nur gut, dass die Gruppe auf der Anhöhe wartet und niemanden zurück lässt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit kreist um die 30 km/h. Und schon fällt mir der Spruch ein: „Vor Mai nicht über 2“ (beim Tempo sollte eine 2 vorne stehen). Ach, immer diese Sprichwörter . . . ! Wir beschließen alle etwas raus zu nehmen und scherzen ab jetzt einen „langsamen 30er Schnitt zu fahren“, zumal es nur noch bergab geht. Meiner Meinung nach handelt es sich jedoch um eine langgezogene Steigung. Nur gut, dass ich nach über 100 km und etlichen Höhenmetern die ersten Dörfer wiedererkenne und wir Kalchreuth erreichen. Welch Glück, jetzt geht es nur noch hinab Richtung Sofa. Nach kurzer Zeit spüre ich die rapide schwindenden Kräfte und lasse meine Begleiter ziehen und schleppe mich mit letzter Kraft an die Stadtgrenze, wo meine Mitstreiter schon auf mich warten und sich verabschieden. Meine Energiereserven reichen jedoch nur noch zum Bäcker, um mir ein großes Stück Kuchen zu gönnen.

Die Tour war hart, aber sehr schön und verlangt nach mehr!

Radgruppe Nord 2019

11.04.2019