28. Leipziger 100km Lauf mit Bay. Meisterschaft am 19. August 2017

Mal wieder 100 km am Auensee. Nachdem sie seit Jahren im Rahmen des 100-km-Laufs rund um den Auensee in Leipzig ausgetragen wurden... Annette Sattler die Bay. Meisterin berichtet.

Siegerehrung: Bayerische 100km-Meisterschaft 2017

 Bericht und Foto von Annette Sattler

 

Nachdem sie seit Jahren im Rahmen des 100 km-Laufs rund um den Auensee in Leipzig ausgetragen wurden, sollten die Bayerischen Meisterschaften im 100 km-Straßenlauf dieses Jahr tatsächlich im Freistaat Bayern stattfinden, noch dazu gleich hier nebenan in Fürth. Leider wurde die Veranstaltung in Fürth dann doch abgesagt – also wieder auf nach Leipzig. Das war insofern schade, als dadurch von unserer neu zusammengestellten Männermannschaft nur Florian Bachmaier übrig blieb.

So traten wir beide als tapfere Vertreter des Team Klinikum Nürnberg am 19. August gemeinsam in der altehrwürdigen August-Bebel-Kampfbahn an. Start war wie üblich um 6:00 Uhr und wie üblich hatte mich mein allergeliebtester Bernd zum Ort des Geschehens geleitet.

Florian und ich hatten in den vorherigen Wochen und Monaten abwechselnd unsere Trainingshoch und –tiefs durchgemacht, Florian nach Verletzungspech etwas vorsichtig mit Blick auf den Spartathlon Ende September, ich mit zuwenig Zeit für eine strukturierte Vorbereitung auf die Bayerischen Meisterschaften. So starteten wir mutig, aber ohne sicher zu sein, was der Tag bringen würde.

Die Wetterprognose versprach diesmal, keine Ausreden für schwache Leistungen liefern zu wollen: nicht zu heiß, heiter bis wolkig, kein ernsthafter Regen. So war es dann auch, und nach einem leichten Regenschauer irgendwann in der Mittagszeit hatten wir erst nachmittags, wenn es auch auf den Abschnitten außerhalb des Walds an vielen Stellen Baumschatten gibt, strahlenden Sonnenschein. Den wirklich schönen Sonnenaufgang, den wir in der ersten Runde am Auensee bewundern durften, will ich nicht unerwähnt lassen.

Die Strecke war wie immer durchaus angenehm: Nach dem Start bzw. jedem 10 km-Rundendurchlauf in der August-Bebel-Kampfbahn geht es einen guten Kilometer auf Asphalt zum Auwald, dort über schöne schattige Waldwege etwa drei Kilometer bis zum Auensee, dessen Umrundung beträgt knapp zwei Kilometer, dann läuft man den Weg durch den Auwald wieder zurück und zum Stadion. Ich fand den Untergrund sogar besser als in den Vorjahren, denn ein vor wenigen Jahren neu aufgeschotterter Abschnitt am See hat sich inzwischen so gesetzt, dass man auch dort ziemlich bequem laufen kann.

Auf der 10 km-Runde gibt es drei Mal die Gelegenheit, aus einem wirklich vielseitigen Verpflegungsangebot zu wählen, und drei weitere Male Getränke. Die Betreuung durch die Freunde vom LC Auensee ist dabei immer bestens. Auch die Stadionsprecher freuen sich mit jedem, der den Rundendurchlauf und schließlich den Zieleinlauf absolviert.

Wetterbedingt wagte ich diesmal, auf ausgiebige Unterbrechungen zur Abkühlung an den reichlich vorhandenen Verpflegungs- bzw. Getränkestellen zu verzichten. Ich schnappte mir meist nur irgendein kohlehydratreiches Getränk wie Tee, Cola, Haferschleim, Iso, das ich dann im Gehen austrank und mit fester Nahrung (Kartoffel oder Wachtelei) nur als „Salzträger“ ergänzte. So kam ich trotz mangelhaften Konditionstrainings ganz gut über die Runden, wurde aber erwartungsgemäß immer langsamer. Florian verzog, wenn wir uns begegneten, mehr und mehr das Gesicht; na ja, wir wissen ja, dass es irgendwann weh tut…

Florian drehte seine Runden aber mit dem stoisch gleichmäßigen Tempo des routinierten Ultraläufers und haute in der letzten Runde mit 48 Minuten 45 Sekunden richtig einen raus. In der Wertung der Bayerischen Meisterschaften wurde er damit in 8:59:36 Vierter und in seiner Altersklasse Zweiter. Der Gesamtsieger Giovani Gonzalez Popoca (7:02:44) kam auch aus Bayern (LG Passau) und ist leider in der selben Altersklasse wir Florian. Zweiter und Dritter wurden in der Bayerischen Wertung Hans Eichmüller vom Team Icehouse (8:39:59) bzw. Volker Dittmar vom LAC Quelle Fürth (8:44:35).

Ich lief wie immer von Runde zu Runde langsamer und machte es spannend. Bei den Frauen ist die Konkurrenz bekanntlich kleiner als bei den Männern; die Gesamterste Teresa Zuzánková aus Tschechien rannte mit großem Abstand davon (Zielzeit 8:09:17), während ich auf Position zwei das Feld der Verfolgerinnen hinter mir hatte und hoffte, nicht irgendwann einen ernsthaften Konditionseinbruch in Kauf zu müssen. Im letzten Rundendurchlauf war die dritte Frau dann auch unangenehm dicht aufgerückt, so dass ich mir in der letzten Runde dann „sicherheitshalber“ nur noch eine kurze Verzögerung für einen Becher mit Tee erlaubte und sie mit viel Anstrengung dann auch knapp 1 ½ Minuten schneller lief als die vorletzte. Am Ende kam Jacqueline Lewandowski dann auch nur gut 1 ½ Minuten nach mir ins Ziel. So wurde ich wider Erwarten mit einer neuen persönlichen Bestzeit Gesamtzweite und verteidigte meinen bayerischen Meistertitel in 9:50:08 sogar recht komfortabel vor Marika Heinlein vom 1. FC Geesdorf (10:17:40), Elke Beierlieb von der LG Veitenstein (10:22:49) und der vierten Frau aus Bayern, Ilona Nöh von der LG Lkr Aschaffenburg (10:40:33).

Fazit 1: Auch diesmal war der Lauf in Leipzig die lange Anfahrt wert.

Fazit 2: Manchmal nutzt der Körper „mangelndes Training“ offenbar als Regenerationsphase und lässt sich unter guten Bedingungen zu einer Bestleistung überreden.

Fazit 3: Immerhin waren wir diesmal zwei Leute vom TKN - ich rufe erneut alle, die sich in der Lage sehen 100 km zu bewältigen, zur Teilnahme auf. Es gibt Mannschaftswertungen, aber natürlich nur für die, die eine Mannschaft zusammen bringen… Und für die, die sich so eine lange Strecke lieber teilen möchten, gibt es auch die Möglichkeit, als Staffel dabei zu sein – eine TKN-Staffel am Auensee in Leipzig wäre doch auch mal was!